Fachkräfte im Einzelhandel – Bildungswege mit Zukunft bieten


„Auszubildende sind die Führungskräfte von morgen. Besonders der Mittelstand setzt auf die eigene Ausbildung, was aber durch die demographische Entwicklung in Zukunft immer schwieriger wird.“

Jürgen N. Baur, EDEKA-Kaufmann Konstanz

Gute und motivierte Mitarbeiter sind die Basis jedes unternehmerischen Erfolges. Dies gilt in Zeiten des Online-Handels umso mehr, da der Mitarbeiter den Unterschied zur Maschine macht. Die vielfältigen Möglichkeiten, einen Karriereweg auf Grundlage einer dualen Ausbildung einzuschlagen, sind immer noch zu wenig bekannt.

Abiturienten-Modelle können auch besonders für Studienabbrecher ein Weg zur Führungskraft sein. Mitarbeiter mit Migrationshintergrund sind im Handel gerne gesehen und seit vielen Jahren selbstverständlich. Und der Handel kann auch für junge Flüchtlinge eine Perspektive eröffnen, wenn nach der Ausbildung ein Aufenthaltsrecht garantiert werden kann. Besonders im Südwesten gibt es bereits etliche hoffnungsvolle Beispiele von Projekten im Einzelhandel mit jungen Leuten aus Südeuropa.


Wir fordern
  • Stärkere Imagebildung für die duale Ausbildung
  • Frühzeitige Implementierung von wirtschaftlichem Handeln und Berufsorientierung im Lehrplan
  • Angemessene personelle und technische Ausstattung, besonders im Hinblick auf den Megatrend „Multichannel Einzelhandel“ in den Berufsschulen
  • Flüchtlingen in Ausbildung sowie nach dem Abschluss ein Aufenthaltsrecht garantieren
  • Unbürokratische Maßnahmen zur Ausbildung oder Umschulung von Asylsuchenden mit Aufenthaltsrecht

Fragen und Antworten der Fraktionen
Wie wollen Sie die praxisorientierte berufliche Bildung und Ausbildung gegenüber der (hoch-)schulischen Bildung stärken?
CDU
GRÜNE
SPD
FDP

Die CDU-Landtagsfraktion ist der Meinung, dass ein leistungsgerechtes und differenziertes Bildungssystem zu den Schlüsselfaktoren eines erfolgreichen Wirtschaftsstandortes gehört. Die duale Ausbildung bietet bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und vergrößert das Potential qualifizierter Fachkräfte, die wir daher sichern wollen. Gleichzeitig wollen wir, dass an Schulen im Rahmen des Unterrichts ein grundlegendes Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge, unternehmerisches Handeln und die Bedeutung der sozialen Marktwirtschaft vermittelt wird. Wer als Meister eine duale Ausbildung abgeschlossen hat, steht auch der Weg in ein Studium offen.

Die duale Ausbildung ist ein zentraler Erfolgsfaktor Baden-Württembergs. Wir brauchen ein gut ausgebautes Angebot von Beruflichen Gymnasien, Berufsschulen und Berufskollegs zur Sicherung unseres Fachkräftebedarfs. Die grüngeführte Landesregierung hat über 150 weitere Eingangsklassen an den Beruflichen Gymnasien geschaffen und die Berufskollegs gestärkt. Den beruflichen Schulen wurden über 20.130 Deputate zur Verfügung gestellt. Damit ist es gelungen,den Unterrichtsausfall zu halbieren. Außerdem haben wir die Berufsorientierung an Schulen eingeführt und die Schulsozialarbeit wiederaufgenommen.

Die SPD hat in der Regierung viel getan, um die berufliche Bildung zu stärken: Wir haben das Ausbildungsbündnis neu aufgelegt, AV dual ins Leben gerufen, Ausbildungsbotschafter, Lernfabriken 4.0, duale Ausbildung und Meistertitel auf EU-Ebene verteidigt und werden das Fach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung einführen. Wir werden diese erfolgreichen Maßnahmen fortführen und weiter ausbauen.

Für uns Freie Demokraten sind berufliche und akademische Bildung gleichwertig. Wir halten es für erforderlich, unser Berufsbildungssystem wieder zu stärken. Deshalb werden wir die Ausstattung der dualen Fachklassen wieder an den Durchschnittsgrößen von 2014 orientieren, Ausbildungspläne mit den Partnern weiterentwickeln, die Unterbringung von Auszubildenden durch eine Drittelfinanzierung besser fördern und durch Praktika auch an allgemeinbildenden Schulen im Rahmen des Fachs Wirtschaft für eine fundierte Berufsorientierung sorgen.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie konkret, um junge Menschen - insbesondere auch solche mit Migrationshintergrund und Flüchtlinge - auf einen späteren erfolgreichen Berufsweg im Einzelhandel vorzubereiten?
CDU
GRÜNE
SPD
FDP

Wir schlagen einen „Pakt für Flüchtlingskinder“ vor, in den das Kultusministerium alle relevanten Partner aus Staat und Gesellschaft einbinden sollte, die einen Beitrag zur Verbesserung des Unterrichts für die Flüchtlingskinder leisten können. Das Ziel muss es sein, alle Maßnahmen zu ergreifen, die zu einer möglichst gelingenden Förderung und Integration von Flüchtlingskindern beitragen können. Mit dem Abschluss eines Flüchtlingspakts der Landesregierung mit der Wirtschaft sollen die gegenseitigen Erwartungen und Bedarfe, aber auch die Verpflichtungen und Investitionen an die Gewinnung von Nachwuchs und Fachkräften für die Unternehmen vereinbart werden.

Zugang zum Arbeitsmarkt ist der Schlüssel für eine gelungene Integration. Unproduktive Wartezeiten müssen vermieden werden. Die grüngeführte Landesregierung hat schon früh die Weichen gestellt und z.B. den Kommunen Mittel für Sprachkurse zur Verfügung gestellt. Ministerpräsident Kretschmann setzte bei den Verhandlungen mit dem Bund durch, das generelle Arbeitsverbot für Asylsuchende auf drei Monate zu verkürzen. Jetzt müssen mitgebrachte Kompetenzen besser erfasst und anerkannt werden, Weiterbildungsmaßnahmen passgenau erfolgen und Bewerberinnen und Bewerber und Stellen schneller vermittelt werden.

Die deutsche Sprache ist nach Meinung der SPD der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration. An allen Schulen wurde die Zahl der Vorbereitungsklassen für Deutsch enorm erhöht, damit junge Flüchtlinge so qualifiziert werden, dass sie am regulären Unterricht teilnehmen oder eine Ausbildung machen können. Jetzt gibt es 3,6 Millionen Euro für „Kümmerer“ bei den Industrie- und Handwerkskammern, die ausbildungsfähige Flüchtlinge identifizieren, betreuen und gezielt in Praktikums- und Ausbildungsbetriebe vermitteln sollen. Auch das Programm „Chancen gestalten“ hilft beim Einstieg in den Beruf.

Die FDP setzt sich dafür ein, dass die Klassen zur Berufsvorbereitung für junge Flüchtlinge mit ausreichend Personal ausgestattet werden. Zudem müssen Lehrerbildungsangebote in entsprechendem Umfang bereitgestellt werden. Zielführend erscheint uns ein auskömmliches Budget für diejenige Stelle, welche die Einrichtung der Vorbereitungsklassen koordiniert. Für jeden volljährigen Flüchtling bis zum Alter von 25 Jahren sollte ein passendes Angebot zur Verfügung stehen zwecks zügiger Qualifizierung und Übergang in Ausbildung und Beruf.

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