Kandidaten-Check im Sanitätshaus Weinmann

Jörg Weinmann vom gleichnamigen Sanitätshaus lud die Landtagsabgeordnete Nicole Razavi zum Vor-Ort-Termin ein und informierte sie über aktuelle Themen aus seinem Betrieb und der Branche.

Welche Sorgen und welche konkreten Wünsche an die Politik hat ein Einzelhandels-Unternehmer? Die Landtagsabgeordnete Nicole Razavi suchte dazu kürzlich den Dialog mit Jörg Weinmann – vor Ort in seinem Geschäft.


Der gelernte Orthopädietechniker-Meister betreibt eine Filiale seines Sanitätshauses Weinmann im modernen Gesundheitszentrum von Geislingen (Steige), dem Wahlkreis der CDU-Politikerin. Auf seine und auf Einladung des Handelsverbands informierte sich Razavi bei einem anderthalbstündigen Betriebsbesuch am 18. September über Themen, die seinen betrieblichen Alltag, lokale Gegebenheiten, aber auch spezifische Ärgernisse in seiner Branche, dem Sanitätsfachhandel, betreffen.
So erläuterte er der Abgeordneten, dass er mit seinem Betrieb an fünf Standorten in Württemberg für Kunden nach dem Motto „Kurze Wege – schnelle Versorgung“ handle. Entsprechend hat sich das Sanitätshaus Weinmann in den 40 Jahren seines Bestehens mit einem breiten Produkt- und Servicespektrum als übergreifendes Handwerks-, Einzelhandels- und Dienstleistungsunternehmen aufgestellt.

Regulationsflut eindämmen!


„Immer komplizierter werdende Genehmigungsverfahren bei den Krankenkassen und auch die fragwürdige Ausschreibungspraxis im Hilfsmittelsektor machen den Betriebsalltag unnötig schwer und aufwändig“, erläuterte Weinmann bei dem Treffen. Zudem verliere der Patient bei derlei Regelungen die Wahlfreiheit für seine Therapie. Er werde quasi entmündigt. „Die enorme Regulationsflut – nicht nur in diesem Bereich übrigens – ist auch mir ein Dorn im Auge“, stimmte Nicole Razavi dem Unternehmer zu. Der Ansatz müsse vielmehr sein, solche Angebote zu schaffen, die den Nutzer überzeugen, sagte die Abgeordnete. Interessiert nahm sie auch die Forderung von Jörg Weinmann auf, die er stellvertretend für viele Kollegen formulierte: „Beim Mindestlohn muss in Sachen Dokumentationspflicht dringend nachgebessert werden.“ In seinem Betrieb mit 73 Mitarbeitern koste ihn der Mehraufwand allein dafür monatlich einen ganzen Tag zusätzlich. Auch andere überzogene Auskunftspflichten wie Meldungen an das Statistische Landesamt ärgern Weinmann. Wolle man hingegen als Unternehmer Flexibilität im Sinne der Mitarbeiter, würden einem viele Hürden in den Weg gestellt. Beispielhaft schildert er das am Fall einer Mitarbeiterin. Diese wolle aus familiären Gründen einen Teil der orthopädischen Werkstattarbeiten zu Hause erledigen, was aber der Vollzeitpräsenzpflicht für Meister widerspricht. Diese „Verbotspolitik“ bezeichnet auch Nicole Razavi als fatal und nimmt die Anregungen von Jörg Weinmann mit in ihre weitere Arbeit im Landtag: „Wir Politiker brauchen politisch denkende Unternehmer wie Weinmann und die Begegnung und das persönliche Gespräch, um Themen und Hintergründe am Beispiel besser kennen zu lernen.“

Unternehmen brauchen Planungssicherheit


Zu spät reagiert haben dagegen die Entscheider in punkto Breitband und schnelles Internet für das Sanitätshaus: „Wir hatten hier trotz regelmäßiger Beschwerden an die Behörden an unserem Firmensitz in Ebersbach lange keine Aussicht auf einen befriedigenden Zugang zu schnellem Internet und damit zu einer reibungslosen Vernetzung unserer Filialen, zu Gesundheitspartnern und Lieferanten. Das ist für unsere verwaltungsintensive Branche lebensnotwendig. Wir mussten den EDV-Standort nach Reutlingen verlegen, der Firmensitz befindet sich ab 2016 in Göppingen.“ Der digitale Wandel ist in vielerlei Hinsicht eine enorme Herausforderung für den Einzelhandel, betonte auch Eva Schulze vom Handelsverband. Nirgends wirke er sich so intensiv wie im Handel aus: Der Kunde kenne keine Grenzen mehr zwischen der digitalen Information und der Kaufentscheidung für online oder stationär. Die Politik müsse sich daher dringend bewusst machen, dass es auch künftig eine attraktive „Stadt ohne Handel“ nicht gibt. Insofern seien neben dem politischen Bekenntnis für einen starken stationären Handel auch eine auf die Innenstadt gerichtete Infrastruktur- und Verkehrspolitik sowie digitale Rahmenbedingungen wie freies WLAN ein Muss.

Fehlende Planungssicherheit ist auch immer wieder Thema für Weinmann und viele Händlerkollegen, wenn es um Innenstadtthemen und Erreichbarkeit geht. „Unsere - oft gehbehinderten - Kunden müssen direkt vor das Haus fahren können. Da nützt die beste ÖPNV-Strategie wenig und sind überteuerte Parkplätze kontraproduktiv“, sagt Sanitätshaus-Chef Weinmann. Auch künftig will und wird er deshalb mit den Verantwortlichen in Kommune und Land in Kontakt bleiben. Nicole Razavi jedenfalls ist dafür offen und begrüßt auch die Initiative des Handelsverbands, Kontakte und somit den Austausch mit Unternehmer/innen direkt in den Betrieben vor Ort zu ermöglichen.

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