Handel 4.0: Nichts bleibt mehr, wie es war

Diskussion an der Mannheimer Max-Hachenburg-Schule zur Digitalisierung im Handel

"Für mich sind die kleinen Geschäfte tot. Ich kaufe nur online." und "Ich kaufe überhaupt nichts online." Zwei Aussagen von Schülerinnen und Schülern der Max-Hachenburg-Schule, die das Diskussionsspektrum zur Frage nach der Zukunft des Einzelhandels aufzeigen.
Die kaufmännische Berufsschule hatte verschiedene Klassen zu einer prominent besetzten Podiumsdiskussion eingeladen. Eröffnet wurde diese durch die Abteilungsleiterin Einzelhandel Martina Kempf. Auf dem Podium vertreten waren Manfred Schnabel, geschäftsführender Gesellschafter der expert ESCH GmbH, Präsident des Handelsverbands  Nordbaden, sowie Klaus Schäfer vom Bund der Selbstständigen Nordbaden, Dr. Stefan Fulst-Blei, Landtagsabgeordneter und Friedrich Graser, Schulleiter der Max-Hachenburg-Schule. Dr. Stefan Fulst-Blei, selbst lange Lehrer an der Schule, moderierte die Diskussion.
 
Zu Beginn berichtete Fulst-Blei von Tanja Rückert, SAP Palo Alto (Silicon Valley), die anlässlich des Besuchs einer Delegation aus Baden-Württemberg ausgeführt hatte, dass die Auswirkungen des Internets nur mit der Einführung der Elektrizität zu vergleichen sei.

Unter dem Stichwort Handel 4.0 ging Manfred Schnabel in einer Kurzpräsentation auf diese Auswirkungen ein. Er zeigte anhand von Charts die dynamische Entwicklung des Onlinehandels in den letzten Jahren auf. Erfreulich sei, dass immer noch rund 90 % der Umsätze in den Geschäften vor Ort erzielt würden. Gleichwohl habe der Onlinehandel in den letzten Jahren mit zweistelligen Zuwachsraten deutlich gewonnen. Allerdings habe sich der Trend in vielen Branchen bereits verlangsamt, so Schnabel. Neue Absatzformen wie Click und Collect sowie der Handel über Apps würden aber dazu führen, dass sich die Branche in den nächsten 5 Jahren deutlich stärker verändern werde, als in den letzten vierzig Jahren zuvor. Schnabel sieht insbesondere die Politik in der Verantwortung, faire Wettbewerbsbedingungen zwischen Onlinehandel und stationärem Handel herzustellen. Dies gelte vor allem im Hinblick auf Belastungen, die ausschließlich den örtlichen Handel träfen.

Klaus Schäfer vom Bund der Selbstständigen Nordbaden erläuterte anhand des neuen Onlinemarktplatzes Illingen Reaktionen von kleineren Einzelhändlern, aber auch von Handwerksbetrieben auf den Onlinetrend. Ziel sei es, Kunden über das Internet über Angebote vor Ort zu informieren und dadurch zu binden. Für die Max-Hachenburg-Schule informierte Schulleiter Friedrich Graser über den aktuellen Schulversuch "Tablets im Unterricht". Die Schule ist mit ihrem Berufskolleg Fremdsprachen eine von dreizehn Modellschulen, die an dem Landesprojekt teilnehmen. Auch bei den Ausbildungsberufen des Dualen Systems sind die Auswirkungen der Digitalisierung an vielen Stellen Thema, wenn es z.B. um die Gestaltung von Homepages geht. In der anschließenden Diskussion kamen zahlreiche Schülerinnen und Schüler zu Wort. Als Fazit lässt sich feststellen, dass es trotz zunehmendem Onlinehandel für den stationären Handel eine Zukunft gibt. Es wird auch weiterhin im Wesentlichen auf den Inhalt ankommen. Sei es digital durch die Gestaltung der Präsentation oder in der persönlichen Beratung vor Ort.

Von Dr. Stefan Fulst-Blei
(überarbeitet und ergänzt von M. Kempf)

 

 

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